Ein Verbot, Mehrwegbehälter wieder zu befüllen, gibt es nicht. (Foto: Nicklas Dick/BUND BW)

Einwegverpackungen vermeiden – auch in Corona-Zeiten

BB

von BUND Baden-Württemberg
vom 25.05.2021
aktualisiert am 26.05.2021

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Plastiklöffel, Kaffeebecher, Styroporschalen – seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Flut an Einwegartikeln aus Kunststoff sichtbar zugenommen. In vielen Fällen sind sie vermeidbar – ohne die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zu erhöhen.

Während des Lockdowns im Herbst produzierten die Haushalte in Baden-Württemberg wieder mehr Restmüll, der verbrannt wird. Grund ist laut Umweltministerium eine Verschiebung der Abfallmengen. Unrecycelte Abfallberge wachsen, gleichzeitig steigt der Rohstoffverbrauch für die klimaschädliche Produktion von neuem Plastik. Deutschland spielt dabei eine unrühmliche Rolle: Als größter Plastikproduzent Europas fühlen wir uns dennoch als Recyclingweltmeister.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher greifen seit Beginn der Pandemie vermehrt zu Wegwerfverpackungen, die Skepsis gegenüber Mehrwegalternativen steigt. An vielen öffentlichen Plätzen quellen die Mülleimer über und so landen Verpackungen letztendlich auch in Wiesen, Wäldern und Flüssen.

Essen to-go ohne Plastik

Dabei gibt es auch beim Essen-to-go gute Alternativen, wie Fritz Mielert, Umweltreferent des BUND Baden-Württemberg, erklärt: „Einwegverpackungen sind im Vergleich zu Mehrwegverpackungen in Coronazeiten nicht die bessere Lebensmittelverpackung. Im Vergleich zu ordnungsgemäß gewaschenen Mehrwegverpackungen sind sie nicht sicherer, denn auch Einwegverpackungen können Viren und krankheitserregende Bakterien aus dem gesamten Produktionsprozess beherbergen und werden in der Regel vor der Verwendung nicht gewissenhaft gewaschen oder desinfiziert.“ Darüber hinaus können Lebensmittelverpackungen zahlreiche Chemikalien enthalten, von denen viele für die menschliche Gesundheit gefährlich sind.

Die Verbraucher*innen setzen sich durch den Gebrauch von Mehrwegverpackungen keinem größeren Viren-Risiko aus. „Spülmittel und heißes Wasser über 60 Grad Celsius töten sowohl das Coronavirus als auch andere Viren und Bakterien wirksam ab. Beim Befüllen von Mehrwegflaschen mit Wasser aus dem Wasserhahn oder aus einem Wasserspender sollte darauf geachtet werden, dass die Flaschen den Wasserhahn nicht direkt berühren. Das gilt auch für den Mehrweg-Kaffeebecher“, beschreibt Fritz Mielert.

Ein Verbot, Mehrwegbehälter wieder zu befüllen, gibt es nicht. Der Gebrauch und das Wiederbefüllen sind weiterhin erlaubt, allerdings müssen Geschäfte und Restaurants diese Möglichkeit nicht anbieten.

Einkaufen ohne Plastik

Verbraucherinnen und Verbraucher können auch beim Einkaufen bewusst auf Plastik verzichten, indem sie zum Beispiel wiederverwendbare Beutel sowie Transportboxen nutzen. So können zumindest Einwegtüten eingespart werden. Am besten sind Produkte ohne Verpackungen, wie sie beispielsweise Unverpacktläden oder Wochenmärkte anbieten. Manche Geschäfte stellen Kundinnen und Kunden auch Mehrweg- oder Pfandgefäße bereit. Bei Getränken lässt sich durch Mehrwegflaschen einfach Plastik einsparen.

Heidelberger Verpackungslabor testet nachhaltige Verpackungen

Wie umweltfreundliche Verpackungen aussehen können, möchte das Forschungsprojekt Innoredux des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des ifeu-Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg herausfinden. Vom 1. Mai bis 31. Juli 2021 können Verbraucher*innen im Verpackungslabor „Alles drin, wenig drum“ und online verschiedene Verpackungslösungen vergleichen und sich über deren Nachhaltigkeit informieren. Ergebnisse des Labors sollen Ideen für die Reduktion von Verpackungen und neue Geschäftsmodelle liefern. Auch der BUND Heidelberg ist beteiligt und ruft dazu auf, eine Woche „Plastik zu fasten“, das heißt in dieser Zeit keine Plastikverpackungen zu kaufen und zu konsumieren. Am 12. Mai können Interessierte ihre Erfahrungen mit dem BUND-Plastikexperten Rolf Buschmann in einem Onlinevortrag diskutieren.

Weitere Informationen:

·      Online-Karte für den plastikfreien Einkauf: https://www.bund.net/themen/chemie/achtung-plastik/plastikfasten/plastikfrei-einkaufen/?wc=25083

·      "Plastikatlas" des BUND: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/plastikatlas-2019/?wc=25083

·      Website des BUND Baden-Württemberg zu Mikroplastik: https://www.bund-bawue.de/themen/mensch-umwelt/trinkwasser/mikroplastik-so-klein-und-so-gefaehrlich/

·      Aktionen im Verpackungslabor und Infos zum Projekt Innoredux: www.plastik-reduzieren.de

·      Grafiken zur Ökobilanz verschiedener Verpackungen: https://www.plastik-reduzieren.de/deutsch/verpackungslabor/infografiken-und-%C3%B6kobilanzen/

·      Pressemitteilung des Lebensmittelverbands zu eigenen Behältnissen in Geschäften und Restaurants: https://www.lebensmittelverband.de/de/presse/pressemitteilungen/pm-20210305-muellvermeidung-im-lockdown-30-prozent-nutzen-eigene-behaeltnisse-beim-lebensmitteleinkauf-oder-fuer-den-coffee-to-go

Foto: Nicklas Dick/BUND BW

Titelbild: Ein Verbot, Mehrwegbehälter wieder zu befüllen, gibt es nicht. (Foto: Nicklas Dick/BUND BW)

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Vor einigen Tagen konnte ich mich endlich wieder mit meiner alten Schulfreundin, Birgit, in einem kleinen Café draußen treffen, „Corona“ hat es erlaubt… Nachdem wir eine Zeit lang in unseren Erinnerungen geschwelgt hatten, bei denen klassischerweise auch einige Jugendlieben, ehemalige Lehrkräfte und na ja, auch so zwei bis drei Schulstreiche herhalten mussten, wurde meine Freundin plötzlich ganz nachdenklich, zog eine strenge Miene auf und sagte zu mir: „Alles schön und gut mit den alten Zeiten, doch stell‘ dir mal vor, was sich meine Mutter mit ihren fast 95 Jahren noch so leistet. Sie hat sich einen Hausfreund angelacht und nennt ihn liebevoll „Friederich“. „Friederich hier, Friederich da“. Ab 7.00 morgens erwartet sie ihn und dann wieder so gegen 19.00.  Ich nenne ihren „Friederich“ ganz unflätig „Happhapp“, denn er kommt nur zum Essen und ist auch noch sehr wählerisch, „leksch“ würde ich sagen. Noch schlimmer. Er hat eine Frau und offensichtlich gibt es auch Nachwuchs. Manchmal bringt er sie sogar mit und Mutter muss sich das alles angucken.“ Als Birgit meine erstaunte bis entsetzte Reaktion sah, fing sie an zu lachen und sagte: „Friedrich ist ein wunderschön gefärbter Erpel, der regelmäßig meine Mutter auf der Terrasse besucht und dann am liebsten geschälte Erdnüsse und das liebevoll von ihr gewürfelte Brot frisst.“ Dann lachten wir beide. Doch warum blickte Birgit erneut ernst drein? „Weißt Du, ich hab‘ das zwar alles als Witz erzählt, doch in Wirklichkeit finde ich das gar nicht so witzig. Ich meine nicht, dass es von Biologen und Umweltschützern nicht besonders „gerne gesehen wird“, wenn Enten mit Brot gefüttert werden, nein. Ich habe die Freude, vor allem Vorfreude meiner Mutter wahrgenommen, wenn sie mich regelmäßig anrief und begeistert erzählte, dass sie noch vor dem Frühstück auf die Terrasse ging, um „Friederich“ zu füttern und ihn dann auch sehnsüchtig am Abend wieder erwartete. Als er ihr in die Küche folgen wollte, versuchte sie, noch schnell die Terassentür zu schließen und traf dabei „Friedrichs“ Schwimmfuß. Er humpelte und Mutter war stundenlang ganz traurig und sehr besorgt um das Tier. Für mich war es eine Freude zu sehen, wie die „alte Dame“ mit diesem kleinen Entengeschenk  auflebte und die Lebensfreude nur so in ihren Augen blitzte. Schließlich kam auch mal heraus, dass sie gar nicht mehr so recht etwas mit ihrer Zeit anzufangen wisse, wenn die „Entensaison“ vorbei sei. Das gab mir zu denken. Doch die Freizeitgestaltung hat sich zum Glück schnell erledigt. Sie strickt nun wieder Socken für karitative Zwecke. So weit so gut.“ Birgit machte eine Redepause und wunderte sich wahrscheinlich, dass ich nicht gelangweilt aussah, sondern offensichtlich noch mehr erwartete. Da musste doch noch was kommen. Sie ließ die Katze aus dem Sack: „Was mir in diesem „Entensommer“ aufgegangen ist und ein flaues Gefühl im Magen verursacht? Mir kam der trübe Gedanke, was ist, wenn dieser „Entensommer“, für meine Mutter nicht nur ihr Highlight, sondern ihr letzter Sommer war und wir in diesem Jahr das letzte oder eines der letzten schönen gemeinsamen Jahre miteinander hatten?“ Darauf wusste ich erst nichts zu sagen, brachte dann aber heraus: „Dann hast Du das schöne Gefühl, das deine Mutter noch mal so richtig glücklich war.“ Birgit hat die Botschaft verstanden und lächelte.

Von Dr. Christiane Högermann · 14.07.2021
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